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Folge 5: Seebad Helgoland was steckt dahinter?

Martin Linne Freitag, 30. Januar 2026 von Martin Linne

Seebad Helgoland - was steckt dahinter?

Die Aktiengesellschaft war gegründet. Doch was war der Zweck? Was hat Siemens unternommen, um einen Badebetrieb auf Helgoland zu etablieren? Wie lässt sich das mit heutigen Erfordernissen an Tourismus- bzw. Destinationsmanagement vergleichen? Über dies und mehr geht es in diesem Blog. Viel Spaß beim Stöbern!

Seebad Helgoland – was steckt dahinter?

Das Dünenrestaurant am Südstrand

Das Dünenrestaurant am Südstrand

Das ist in der Literatur nicht ganz klar.

Packroß schreibt von vier Badekarren auf der Düne und zwei auf dem Unterland.(1) Auch Norbert bestätigt das in einer Jubiläumsbroschüre.(2)

Nöckel berichtet von einem an einen Goldgräber-Saloon erinnerndes Konversationshaus, sechs Badewannen für warme Seewasserbäder sowie sechs zuckigen Badekarren.(3) Siebs berichtet ebenfalls von einem „einfachen hölzernen Pavillon“ (Saloon-artig?) auf der Düne.(4)

Unklar bleibt hier allerdings, ob es sich dabei nicht auch um Folgeinvestitionen in den ersten Jahren nach Gründung der AG handelte.

Noch heute erinnert das Dünenrestaurant an die gute alte Zeit. Es wirkt wie ein Zitat eines Saloon-artigen hölzernen Pavillon aus dem 19. Jahrhundert.

War's das - oder konnte Siemens mehr?

Erste Anzeige vom Seebad Helgoland vom 24.03.1826

Erste Anzeige vom Seebad Helgoland vom 24.03.1826

Also was hat Siemens geschaffen, wenn nicht irgendwelche improvisierten Holzbaracken?

Das zu klären, war nicht ganz leicht; denn die Literatur liefert nicht mehr als eben dargestellt. Es brauchte schon ein wenig Recherche. Zum Glück sind mittlerweile viele alte Zeitungen digitalisiert. Mit etwas Geduld findet man auch was! Es gibt im Jahr 1826 erste Werbeanzeigen für das neu gegründete Seebad Helgoland.

Was wird dem Gast also geboten? Die Werbung für das Seebad zeigt ein völlig anderes Bild. Die Direction wirbt bei der Eröffnung des Bades zum 01.07.1826 mit:(5)

-> warmen Bädern, das deckt sich mit Nöckels Information über sechs Badewannen

->Schwefel-Bädern, darüber steht in der Literatur nichts

-> kalte Bäder auf schönem festen Sandgrund mit den erforderlichen Einrichtungen, damit sind die Düne und die Badekarren gemeint.

-> Bewirtung auf der Insel und auf der Düne, Gastronomie war generell vorhanden; und Siebs spricht von einem hölzernen Pavillon auf der Düne

-> bequeme Logis, Unterkünfte waren vorhanden

-> sonstige zweckmäßige Vorkehrungen, also: Badekarren, Dünenverkehr, hier ist die Anzeige ungenau

-> und es kümmert sich Badearzt Dr. Physicus Lehmann, das wurde in der Literatur nicht gefunden.

-> Hilfe bei der Anreise, das sind Versuche, Vertriebs- und Informationsstrukturen aufzubauen

-> Flexible An- und Abreise, auch davon berichtet die Literatur nicht

Einschätzung

Die zweite Anzeige vom 16.6.1826

Die zweite Anzeige vom 16.6.1826

Das klingt erheblich besser als nur die Anschaffung von sechs Badekarren, hier als erforderliche Einrichtungen bezeichnet. Siemens unterstreicht den medizinischen Anspruch der Badekur durch die Anwesenheit eines Badearztes. In der Anzeige werden die Vorzüge der Insel herausgestellt und zusätzlich Ausfahrten um die Klippen angeboten. Das ist nicht nur Tourismus-/Destinationswerbung. Es wird auch ein erlebnisorientiertes Veranstaltungsprogramm (Ausfahrten um die Insel) angeboten.

Schließlich kümmert sich Siemens auch um den Vertrieb und um Hilfestellungen bei der Planung der Reise nach Helgoland. Wir dürfen nicht vergessen: Kommunikationsmedien wie Telefon oder Postkarten gab es damals noch nicht. Siemens hat dafür gesorgt, dass in Hamburg und Brake an der Weser bei Gastwirten Informationen eingeholt werden konnten. Vermutlich waren darüber auch „Reservierungen“ möglich. Die An- und Abreise wird als relativ flexibel dargestellt.

Schon damals wusste man, dass Helgoland als Insel in der Deutschen Bucht nur mittels recht aufwendiger Schiffsreisen zu erreichen war. Hier geht Siemens eine vermeintliche Schwachstelle der Destination offensiv an und bietet Lösungen.

Gründung des Seebades = Beginn des Tourismus?

Bei Tourismus sprechen wir von an Reisebedürfnisse und Reiseverhalten angepasste Angebote. Es braucht schon ein solides Maß an Infrastruktur z. B. in Form von Linienverkehren, gewerblichen Unterkünften, Gastronomie und Freizeitmöglichkeiten. Und es braucht zumindest im privaten Bereich Reisen zum Selbstzweck. Das alles existiert zu der Zeit um 1826 auf der Insel. Was fehlt ist ein koordiniertes Angebot, eine Institution, die die Insel bewirbt und vermarktet. Die entstand mit der Gründung der Aktiengesellschaft Seebad Helgoland erst um 1826.

Wann also begann der Tourismus auf Helgoland? Das wirkt wie ein fließender Prozess, der vor 1818 mit Gesundheitsreisen und ab 1824 mit einem Dampfschiff-Liniendienst Hamburg-London begonnen hat. Erst kurze Zeit nach 1826 wurde der Ausbau der Infrastruktur umfangreich umgesetzt. Letztlich kommt es darauf an, wie Tourismus definiert wird.

Wenn wir die etablierte Sichtweise zugrunde legen, dass das Reisen der Gäste nach Helgoland und zurück maßgeblich ist, dann hat Tourismus auf Helgoland schon vor 1800 stattgefunden.

Wenn wir (m)eine angebotsorientierte Definition ansetzen, dann dürfte das erst später, sogar nach 1826 der Fall sein.

Fazit

Siemens hat weit mehr geschaffen, also nur einen Badebetrieb auf Helgoland zu etablieren!

Er hat dafür gesorgt, dass ein professionelles touristisches Angebot entstehen konnte. Dadurch entstand kurze Zeit nach der Gründung ein zeitgemäßer Linienverkehr ab Hamburg. Siemens hat die Inselbevölkerung und die Inselbetriebe eingebunden und Wohlstand nach Helgoland zurückgebracht. Das ist aus meiner Sicht die wahre Leistung des Jacob Andresen Siemens, den die Helgoländer enteignet und von der Insel vertrieben haben.

Ausblick

Siemens soll als Erfinder der Kurtaxe gelten. Das kann so nicht im Raume stehen bleiben. Das will genauer betrachtet werden.

Freut Euch auf den nächsten Blog!

Es grüßt herzlich

Ihr

Martin Linne

Quellen

1) Vgl. Packroß 1952, S. 78.

2) Vgl. Norbert 1926, o. S.

4) Vgl. Siebs 1952, S. 192.

5) Staats- und gelehrte Zeitung des Hamburgischen unpartheyischen Correspondenten, 16.06.1826; S. 7.; 24.03.1826, S. 7f.

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